Diagnostik

Bislang gibt es für die Diagnose einer auditiven Wahrnehmungsstörung noch kein etabliertes und allgemein anerkanntes Testverfahren. Voraussetzung für die Durchführung subjektiver Testverfahren der Wahrnehmungsleistungen ist die anamnestische Erfassung der Symptome, eine genaue klinische Untersuchung und die Untersuchung der peripheren Hörfähigkeit.

Die Wahrnehmungsdiagnostik hat sich an den Symptomen und den klinischen und pädagogischen Fragestellungen zu orientieren. Sie ist meist erst ab einem Alter von 5–6 Jahren durchführbar. In unserer Erfahrung hat es sich bewährt, für Vorschulkinder und für Schulkinder unterschiedliche Testbatterien anzuwenden. Wir sind bestrebt, ausreichend überprüfte und aktuell standardisierte Testverfahren anzuwenden. Die Beobachtung von Aufmerksamkeit und Motivation, die Einschätzung kognitiver Faktoren und eine kindgerechte Untersuchungssituation sind wichtige Voraussetzungen.

Im Rahmen einer Wahrnehmungsdiagnostik muss die kognitive Entwicklung und die rezeptive und expressive Sprachentwicklung eingeschätzt und berücksichtigt werden.

Manche Testverfahren sind zwar wissenschaftlich interessant und haben sogar eine statistisch nachweisbare Korrelation zu bestimmten Lern- und Sprachstörungen. Sie scheinen uns jedoch nur geringe Relevanz für Therapie und Förderung des Kindes zu haben. Dazu gehören beispielsweise die Untersuchung basaler Funktionen wie Tonhöhenunterscheidung, Lautheitsunterscheidung, Tondauerunterscheidung und Lückenunterscheidung bei älteren Schulkindern.

Der auditive Kurzzeitspeicher ist eine wichtige Leistung, die wir regelmäßig untersuchen. Gedächtnisleistungen sind aber keine Wahrnehmungsleistungen. Es besteht aber eine enge Verflechtung zwischen Gedächtnis, Wahrnehmung, Sprache und Kognition. Wir bedauern die Beschränkung auf eine alleinige Untersuchung des Kurzzeitspeichers, ohne den Transfer in das Langzeitgedächtnis zu berücksichtigen, und wir sind uns der Begrenztheit eines therapeutischen und pädagogischen Vorgehens zur Verbesserung des Kurzzeitspeichers bewusst.

Audiologische Diagnostik

  • Vorgeschichte (Anamnese), ggf. unterstützt durch einen Fragebogen (als Anhang unten)
  • Klinische Untersuchung
  • Audiometrie: Hörschwelle
  • Audiometrie: Knochenleitung
  • Sprachaudiometrie (Kopfhörer, freies Feld)
  • Tympanometrie
  • Stapediusreflexe
  • Otoakustische Emissionen (OAE)
  • BERA

 

Medizinische Wahrnehmungsdiagnostik

              Diagnostik mit nonverbalen Stimuli

  • Richtungshören
  • Tonhöhen-Unterscheidung
  • Lautstärke-Unterscheidung
  • Lückenerkennung (Gap-Detection)

             Diagnostik mit verbalen Stimuli

  • Sprachverstehen im Störgeräusch
  • Unbehaglichkeitsschwelle
  • Dichotischer Hörtest (Neukomm, Uttenweiler)
  • Lautdiskriminationstest - Lautunterscheidung:
    • für Schulkinder: Heidelberger Lautdifferenzierungstest (H-LAD) 
    • für Vorschulkinder: Heidelberger Vorschul-Screening (HVS)
    • selten: Hannover´scher Lautdiskriminationstest (mit oder ohne Störgeräusch), Lautunterscheidungstest (LUT), Wahrnehmungstrennschärfetest (WTT)
  • Hörtest mit zeitkomprimierter Sprache
  • Wörter ergänzen (WE) aus PET
  • Laute verbinden (LV) aus PET
  • Reimpaare erkennen (BISC, HVS)
  • Silben segmentieren (BISC, HVS) 

Gedächtnis und Aufmerksamkeit

  • Pseudowörter (Mottier, Pseudowörter nachsprechen: PWN aus BISC, PGN aus SET-K
  • Rhythmisches Gedächtnis
  • Zahlen- oder Wortfolgegedächtnis (aus K-ABC, HAWIK, HVS, SET-K 3-5)
  • Satzgedächtnis (HASE)
  • Auditive Aufmerksamkeit (KiTAP)

 

Diagnostik der Pädagogischen Audiologie
(Beratungsstellen der Schulen für Hörgeschädigte)
 

  • Anamnese, Angaben aus dem häuslichen und schulischen Bereich
  • Audiometrie: Hörschwelle (Luftleitung und Knochenleitung)
  • Sprachaudiometrie
  • Sprachverständnis im Störschall
  • Dichotisches Hören
  • Richtungshören
  • Lautheitsempfindung (Würzburger Hörfeld)
  • Lautdiskriminationstest (mit und ohne Störgeräusch)
  • Hörtest mit zeitkomprimierter Sprache
  • Auditives Gedächtnis
  • Heidelberger Vorschul-Screening (HVS)
  • Intelligenz-Diagnostik

 

Diagnostik der Therapeuten

Vorschulalter:

  • Phonologisches Arbeitsgedächtnis aus dem SETK 3-5
  • Akustisch phonematische Differenzierung aus DP 1
  • BISC
  • „DES“ (Diagnostische Einschätzskalen zur Beurteilung des Entwicklungsstandes von Karlheinz Barth)

- Auditives Kurzzeitgedächtnis
- Rhythmus erfassen
- Phonologische Bewusstheit: Anlaute erkennen, Silben klatschen, Lautsynthese, Reimpaare
- Lautdifferenzierung
- Sprachgedächtnis, auditive Merkfähigkeit
- Handlungsplanung, Sequenzgedächtnis, Sprachverständnis


Schulalter:

  • Mottier-Test
  • LV, WE aus dem PET
  • ZFG aus PET oder HAWIK
  • Lautkategorisierung nach Marx
  • Phonematische Analyse von Anfangslauten aus DBS 1 nach Wettstein

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