Lärm / Akustik

Als Lärm (von frühneuhochdeutsch: larman = Geschrei; auch Krach) werden Geräusche (Schalle) bezeichnet, die durch ihre Lautstärke und Struktur für den Menschen und die Umwelt gesundheitsschädigend oder störend bzw. belastend wirken. Dabei hängt es von der Verfassung, den Vorlieben und der Stimmung eines Menschen ab, ob Geräusche als Lärm wahrgenommen werden (Definition bei Wikipedia).


(... in Bearbeitung: Artikel Lärm Lernen Flughafen Riem)

Die Entwicklung des auditiven Kortex (Hörrinde des Grosshirns) wird durch Lärm beeinträchtigt. Weißes Rauschen beeinflusst die Gehirnentwicklung von Rattenbabys. Eine dauerhafte Beschallung der Jungtiere verlangsamt deutlich die Entwicklung des so genannten auditiven Cortex. In dieser etwa zwei bis drei Wochen langen Periode findet eine ausgeprägte Umorganisation dieser Gehirnregion statt, die für das Erfassen von Tönen und Geräuschen verantwortlich ist. Wurde die Geräuschkulisse entfernt, setzte sich die Entwicklung wieder in normaler Geschwindigkeit fort. Auch der alltägliche Lärm, dem Babys heutzutage ausgesetzt sind, könnte ähnliche Folgen haben. Die Umgebungsgeräusche könnten auch beim Menschen die Entwicklung der Hörfähigkeit und des damit verknüpften Sprachverhaltens deutlich verzögern. (Chang, Merzenich; Science, 2003: 300, 498).
 

1. Physikalisch

  • Schalldruckpegel: Die Wahrnehmung von Geräuschen hängt zum einen von physikalisch messbaren Größen ab: Lärm beginnt ab einem Lautstärkepegel voni 80 Dezibel (dB).
  • Tonhöhe: Hohe Töne werden anders empfunden als tiefe, in der Regel unangenehmer.
  • Tonhaltigkeit: Einzelne tonale Komponenten im Geräusch erhöhen die wahrgenommene Lautstärke.
  • Impulshaltigkeit: Geräusche mit starken Pegeländerungen (z. B. Hämmern) werden unangenehmer empfunden als Geräusche mit konstanter oder gleichmäßiger Lautstärke.


2. Lärmbeeinträchtigung subjektiv ( ab 55 dB)

  • Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern,
  • Schlaf, 
  • Persönliche Bewertung: Geräusche, die man mag, werden auch bei hohen Lautstärken nicht als störend empfunden, Geräusche, die man nicht mag, gelten schon bei kleinen Lautstärken als störend,
  • Soziale Bewertung: Kirchenglocken werden von weniger Menschen als störend bezeichnet als z. B. als ein laufender Motor vor dem Haus.
  • Erkrankungen: Depressionen, Meningitis, prämenstruelles Syndrom, best. HNO-Erkrankungen (z.B. Tinnitus), einzelne genetische Erkrankungen.

3. Störungen der Wahrnehmung, der Aufmerksamkeit, des Lernens

  • Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis)
  • Filterstörung (Nutzschall-Störschall-Unterscheidung)
  • „ADS“
  • Lernstörungen

 

Hörminderung durch Disko

Hörminderung 10 dB: bei 10 Std. Disko/Woche
Schallpegel 100 dB: 60%
Schallpegel 110 dB: 92%

Hörminderung 30 dB: bei 10 Std. Disko/Woche
Schallpegel 110 dB: 37%

Hörminderung 10 dB bei 10 Std. Disko/Woche
Schallpegel 100 dB: 60%
Schallpegel 110 dB: 92%

Hörminderung 30 dB: bei 10 Std. Disko/Woche
Schallpegel 110 dB: 37%

(BgA, 2004, Ptok, 2006)

Nachhall


Nachhall (siehe auch Info im Anhang) ist die Reflektion von Tönen, Geräuschen oder Sprache an Oberflächen, z. B. den Wänden oder der Decke. Dieses Echo kann in ungünstigen Fällen so lange dauern, dass es gesprochene Wörter überdeckt und unverständlich macht. Menschen, deren auditive Filterfunktion zur Unterdrückung von Störschall schlecht arbeitet, leiden an solchen ungünstigen akustischen Bedingungen. Kinder wirken dann gelegentlich zu Unrecht als unkonzentriert.

Irreparable Schädigung der Haarzellen des Innenohrs durch Lärm

Elektronenmikroskopische Bilder vor und nach Lärmbelastung

Bild entfernt.       Bild entfernt.

 

Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis)

Die Lautheitsempfindung ist eine Funktion der auditiven Wahrnehmung und Verarbeitung. Sie bezeichnet die subjektive Unlustempfindung gegenüber Geräuschen, Tönen, Sprache, die als zu laut wahrgenommen werden.

Symptome der Hyperakusis
 

  • Furcht vor Haushaltsgeräten, Motoren, Maschinen, Tierstimmen
  • Ablehnung von Menschen mit lauter Stimme
  • Rasche Erschöpfung in auditiv anstrengenden Situationen
  • Ausblenden der Hörwahrnehmung
  • Vermeidung von Gesprächen in Anwesenheit mehrer Personen
  • Vermeidung lauter Alltagssituationen (Zirkus, Konzert, Bahnhof etc.)
  • Übertönen der Störgeräusche
  • Soziale Sekundärreaktionen: Ablehnung und Vermeidung bestimmter Situationen (Schule, Kindergarten, hallende Räume, laute Umgebung)

Häufigkeit:

  • bei Schulkindern: 5-9%
  • bei Säuglingen: nicht bekannt, nach Beobachtungen 20%?
  • bei Erwachsenen >45 Jahren (besonders Frauen): ?
  • bei Erwachsenen mit Tinnitus: 30%

 

Lärm im Klassenzimmer: Schallpegel vor und nach Dämmmassnahmen

Schallpegel Stillarbeitsphasen
Vorher: 56 dB
Nachher: 47 dB

Schallpegel Unterrichtsgespräch
Vorher: 77 dB
Nachher: 70 dB
( www.luk-nrw.de/praev/thema/thema_05_06.asp#32 )
 

Lärm im Alltag

Broschüre der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA)
(Beschreibung von Alltagssituationen, Auswirkungen, Grenzwerten, Gesetzeslage)
Tchorz, J.; Gigla, B. (2011): Nachhall in Klassenzimmern. Hörakustik 6/2011, 8-10
Stansfeld S.A. et al. on behalf of the RANCH study team (2005): Aircraft and road traffic noise and children´s cognition and health. Lancet (365) 1942-1249
 

Massnahmen gegen Lärm und Geräuschempfindlichkeit

Pädagogische Maßnahmen: www.luk-nrw.de/praev/thema/thema_05_06.asp#32
Schaumstoff-Ohrstöpsel: www.sonicshop.de/De/Uebersicht.htm
Einbau einer Akustikdecke: Firmen siehe im Internet: Rigips, Sonatech, Ecophon, ber-deckensysteme
Optische Rückmeldesysteme für Kinder: z.B. Lärmampel: www.paedboutique.de/laermampel.htm

Edu-Link: www.schwerhoerigenforum.de/faq/kapitel20.html
Sound-Field-Anlage: www.soundfield.com

Broschüre der BZgA zum Umgang mit Lärm für Eltern von 4- bis 10jährigen Kindern: http://www.bzga.de/infomaterialien/kinder-und-jugendgesundheit/zu-viel-fuer-die-ohren-vom-schuetzenden-umgang-mit-laerm/
Unterichtsmaterialien (Broschüre, Audio-CD, DVD) der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für 5.-10. Klasse: http://www.bzga.de/infomaterialien/unterrichtsmaterialien/nach-themen/?idx=113
Kindergesundheit-Info "Wenn Lärm krank macht" mit Downloads "Laut & leise" - Tipps für Eltern, Checkliste "Laut & leise -  wie & wann?", "Lärmpegel und ihre Wirkung auf den Körper": http://www.kindergesundheit-info.de/fuer-eltern/kinder-umwelt-gesundheit/biologische-physikalische-stoffe/laermschaeden/#c24647

Hörtraining: www.audiva.de
Anmerkung zum Hörtraining: Technische Durchführung z.B. mit Heimtrainingsgerät der Fa. Audiva. Therapieablauf jedoch nicht ungeprüft vom Hersteller übernehmen, sondern speziell angepasst auf das Symptom Hyperakusis und von erfahrenen Therapeuten gesteuert. Vorausssetzung: Eingangs- und Verlaufsdiagnostik durch Pädaudiologie oder durch Sozialpädiatrie, die Erfahrung mit Störungen der auditiven Wahrnehmung haben.

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