Therapie

Therapieindikation

  • wenn ein oder mehrere Bereiche der zentralen Hörverarbeitung alltagsrelevant gestört sind
  • wenn beim Kind Leidensdruck besteht
  • als ergänzende Therapie bei Sprachentwicklungsstörung
  • als ergänzende Therapie bei LRS

 

Ergotherapeutische und logopädische Therapie

Aufmerksamkeit als Voraussetzung: Allgemein gilt es, das Kind zu Stundenbeginn aber auch während der gesamten Therapiestunde, in die Lage zu versetzen, seine Aufmerksamkeit auf die Therapieinhalte fokussieren zu können. Es ist daher wichtig individuell herauszufinden, wie sich das jeweilige Kind in eine gute Aufmerksamkeitshaltung begeben kann. Die Therapiestunde sollte je nach den Bedürfnissen des jeweiligen Kindes in Arbeits- und Ruhephasen aufgeteilt werden. Die Ausgangspositionen können ebenfalls variiert werden (Sitzen, Bewegen, Stehen, Liegen,.....), um die Aufmerksamkeit des Kindes wiederherzustellen oder aufrechtzuerhalten. Des Weiteren können unterschiedliche sensorische Angebote gemacht werden, um die Aufmerksamkeit zu aktivieren.
Die Motivation spielt in diesem Zusammenhang ebenfalls eine wichtige Rolle. Interesse und Spaß an den Therapieinhalten motiviert, das Kind bringt in Folge auch leichter Aufmerksamkeit auf und das Lernen wird leichter. Wichtig für die Therapie ist es daher, herauszufinden welche Interessen das Kind hat, was es gerne macht und dies in die Therapie mit einzuflechten.

- Optimale Hörumgebung bieten: Die Therapie sollte in Räumen mit guter Raumakustik stattfinden. Es sollten wenig Störgeräusche und andere Ablenkungen vorhanden sein.

- Positive Hörerlebnisse ermöglichen: Das Kind soll da abgeholt werden, wo es im Moment steht, d.h. die Therapie sollte so aufgebaut werden, dass das Kind, die Anforderungen mit Erfolg bewältigen kann. Das macht Mut und Lust auf mehr.

- Gezieltes Üben der einzelnen auditiven Teilfunktionen: Die Therapie richtet sich nach den individuellen Schwierigkeiten des Kindes. In der Therapie werden, die für das Kind relevanten auditiven Teilfunktionen, gezielt geübt.

- Ressourcen des Kindes und seines Umfeldes aktivieren: Ein ebenso wichtiger Bestandteil der Therapie ist es herauszufinden über welche Ressourcen und Stärken das Kind und sein Umfeld verfügen. Hier können ggf. hilfreiche Kompensationsstrategien erarbeitet werden.

- Beratung der Eltern/ Lehrer/ Kindergärtner: Beratung des Umfeldes, Aufklärung über das Störungsbild und die damit verbundenen Alltagsschwierigkeiten des Kindes. Elternberatung über Umgang mit den Schwierigkeiten des Kindes und über Förderungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit anderen Fachbereichen (Pädagogen, Hörakustiker) wird ggf. beraten, wie die Umgebung des Kindes verändert bzw. angepasst werden kann.

Allgemeine Therapieprinzipien

- Alltagsnahes Arbeiten.
- Iinterdisziplinäre Zusammenarbeit: ärztliche Diagnosestellung, Therapie, pädagogische Beratung in der Schule, Umfeldanpassung durch Hörakustiker.
- Therapieaufbau und Therapieprozess für alle Beteiligten klar und transparent.
- Wiederholungen: Inhalte sollten solange wiederholt werden, bis sie sicher verankert sind. Kurze (max. 10 Minuten) aber regelmäßige Übungsphasen im häuslichen Umfeld haben sich bewährt.
- Konsistente Aufgabenstellungen und Therapieablauf: Therapieablauf und Aufgabenstellungen sollten wenn möglich immer gleich präsentiert werden, so weiß das Kind was auf es zukommt.
- Verarbeitungstiefe (Verankerung im Gedächtnis) der Therapieinhalte  durch die subjektive Bedeutung für das Kind und durch inhaltliche Verbindung erhöht.

Mögliche Hilfen / Kompensationsstrategien

- Visuelle, auditive oder andere Ablenkungsquellen vermeiden
- Verbale Anweisungen deutlich, langsam und in kurzen, einfachen Sätzen an das Kind richten.
- Laute durch Betonung hervorheben
- Laute durch Dehnung hervorheben
- Taktil-kinästhetische und visuelle Repräsentation zu den Lauten anbieten: z.B. Lautgesten, Grapheme, Mundbild analysieren / zu Hilfe nehmen
- Das Üben einzelner auditiven Teilfunktionen durch Bewegung unterstützen, z.B. Silben hüpfen, Silben gehen
- Assoziativ- semantisches Arbeiten: persönliche und inhaltliche Verknüpfungen schaffen
- Kommunikationshilfen mit dem Kind und seinem Umfeld erarbeiten:
Das Kind lernt, Blickkontakt zum Gesprächspartner aufzubauen und beizubehalten, den Körper zum Gesprächspartner auszurichten, das Mundbild des Gesprächspartners zu beachten.
Als Gesprächspartner das Kind direkt ansprechen, Blickkontakt zum Kind suchen und einfordern, erst dann sprechen, ggf. auch Körperkontakt suchen. Wichtige Informationen, die dem Kind weitergegeben werden, das Kind wiederholen lassen.

 

Übungen zur Lautunterscheidung

  •       Hörübungen zur Lautdifferenzierung,
  • Analyse und Synthese von Wörtern,
  •       Anlauterkennung,
  • Hörtraining,
  •       Mundbild/Absehbild aus der Hörbehindertenpädagogik,
  •       Handzeichen, die Laute abbilden,
  • Mimimalpaar-Karten,
  •       Würfelspiele zur Erarbeitung/Diskriminierung/Stabilisierung bestimmter Laute,
  •       Rhythmuserkennung und -imitation,
  •       Reimpaare erkennen und unterscheiden.


Übungen des Richtungshörens
 

·      Blickkontakt zum Sprecher,

·      Sitzplatz ändern,

·      Gesprächsdisziplin,

·      Alle Kinder beim Namen aufrufen,

·      Bei Gruppenspielen im Sport Zeichen vereinbaren,

·      Hörspiele und Hörübungen zur Geräusch- und Sprachlokalisation mit verbundenen Augen.

 

Übungen zum auditiven Gedächtnis

·      Mit kurzen Geschichten Interesse wecken,

·      Angenehme, interessante Hörerlebnisse vermitteln,

·      Gedichte, Verse, Lieder, Reime,

·      Singen,

·      Komplexe Handlungsanweisungen splitten,

·      Wiederholungen in Variationen,

·      Erlebnistagebuch als Sprachanreiz,

·      Verknüpfung mit Erlebtem,

·      Hilfen im motorischen und visuellen Bereich als Kompensation,bei Nacherzählungen Stichwörter und Bilder als Hilfen

 

Übungen zur auditiven Aufmerksamkeit

  •       Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung,
  •       Rhythmisierung der Sprache,
  •       Entspannungsübungen,
  • Ruhephasen erlauben, Hörpausen,
  •       Bewegungsspiele,
  •       Tanz,
  •       Rhythmik,
  • Musik einbauen,
  • Hörübungen mit Geräuschen und Sprache,
  •       Ablenkung minimieren,
  •       Häufige Kontrollen, ob verstanden wurde.


Andere Therapiematerialien

- Computergestützte Programme: z.B. Audiolog
- Spezielle Geräte: z.B. Hörtraining
- Musikinstrumente
- Selbst zusammengestellte Therapiematerialien, wie z.B. Silben-Wort-und Bildkarten,...
- Spiele, die speziell für die Förderung von auditiven Teilfunktionen konzipiert wurden: z.B. Ratz-Fatz von HABA, Spiele von dem Verlag Lernkiste oder von Easylearn,....
 

Therapie durch Hörgeräteakustiker

Technisch-apparative Unterstützung bei AWS

Eine AWS manifestiert sich u.a. auch mit einer Störung der Sprachverständlichkeit im Störgeräusch. Auf solch eine Störung der Filterfunktion zwischen Nutzschall und Störschall reagierte die Hörgeräte- und FM-Industrie (FM-Anlagen: Funkübertragungsanlagen Lehrer zu Schüler) sehr rasch. Es muss aber betont werden, dass auch jeder Nichtbetroffene von einer Verbesserung des Stör-Nutzschall-Abstands (Hervorhebung des Sprachsignals aus dem Störgeräusch) profitiert, da hiermit seine „Höranstrengung“ oder sein „Zuhöraufwand“ deutlich reduziert werden kann. Die Folge ist, dass die auditive Information über einen längeren Zeitraum besser genutzt werden kann als ohne technische Unterstützung. Dies gilt besonders für diejenigen Kinder und Jugendliche mit einer Filterstörung. Bei ihnen kann die Erprobung einer technischen Unterstützung sinnvoll sein und eine Erleichterung im Schulalltag erzielen.

Aus unserer Erfahrung möchten wir Hörgeräteversorgungen nur bei Kindern vorschlagen, die gleichzeitig an einer peripheren Höreinschränkung leiden. Die gleiche Maßnahme wird auch bei einer Überempfindlichkeit gegenüber hohen Lautstärken i.S. eines elektronischen Gehörschutzes und gleichzeitiger Störgeräuschunterdrückung diskutiert. Auch Kombinationen von Hörgeräten und FM-Anlagen kommen hierbei zum Einsatz. Da jedoch FM-Anlagen für die Zielgruppe „Kinder und Jugendliche mit AWS“ (ohne periphere Höreinschränkung) konzipiert wurden, bis heute nicht im Hilfsmittelkatalog der Krankenkassen aufgenommen wurden, werden die hierfür entstehenden Kosten i.d.R. auch nicht von den Kassen übernommen. Einzelfallentscheidungen hat es zwar bereits gegeben, sie sind aber selten. Somit bedeutet dies für die Eltern, dass sie diese „Hilfsmittel“ privat finanzieren müssen.

Bei Kindern und Jugendlichen, die keine Filterschwäche jedoch eine Geräuschüberempfindlichkeit aufweisen, sollten Gehörschutzotoplastiken nur in Ausnahmefällen angewandt werden.

Allerdings stünden auch andere Maßnahmen zur Verfügung, die ebenso eine erstaunliche Erleichterung der auditiven Wahrnehmung für Schüler darstellen: Die Verbesserungsmöglichkeiten der Klassenraumakustik. Leider wird dieser Anforderung kaum Rechnung getragen, obwohl hiervon sogar eine Gruppe – im Gegensatz zur Individualmaßnahme – profitieren würde und die Pädagogen ihre Stimme schonen könnten. Für die Unterrichtssituation existiert eine DIN-Norm, die die „Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen“ festlegt: Die DIN 18041 soll bei Neubaumaßnahmen Berücksichtigung finden. In vorhandenen Klassenräumen, die sich häufig – aus raumakustischer Betrachtung – in einem desaströsen Zustand befinden, greift diese Bestimmung leider nicht mehr. Allerdings könnten auch durch eine gewisse Eigeninitiative der jeweiligen Einrichtungen mit wenigen Mitteln Verbesserungen der Klassenraumakustik erreicht werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es für Kinder und Jugendliche mit schlechter Sprachverständlichkeit im Störschall durchaus sinnvoll sein kann, eine apparative Unterstützung in Erwägung zu ziehen. Es ist jedoch wichtig, den Erfolg dieser Maßnahme nicht allein anhand diverser Testergebnisse in Störgeräuschsituationen festzumachen, sondern auch anhand der Akzeptanz der Kinder und Lehrer. Eine Überprüfungsmöglichkeit der Nutzungsdauer, wie sie z.B. bereits in der herkömmlichen Hörgeräteversorgung zur Verfügung steht, wäre auch bei reinen „AWS-Instrumenten“, z.B. speziellen FM-Anlagen, sehr wünschenswert. Hiermit könnte dann auch die Nutzung für das Therapeuten-Team selbst, aber auch gegenüber den evtl. Kostenträgern sicher dokumentiert werden.

Es ist nochmals besonders hervorzuheben, dass es sich lediglich um unterstützende Maßnahmen handelt! Positive Langzeiteffekte sind in der Literatur anhand von Fallberichten bereits beschrieben worden, betrafen i.d.R. jedoch andere Bereiche der auditiven Wahrnehmung. Eine Verbesserung der Sprachverständlichkeit im Störgeräusch ohne technisch-apparative Unterstützung konnte nicht nachgewiesen werden.

Im Anhang finden Sie die Präsentation des Hörgeräteakustikers J. Heinz : Aktuelles zum Thema
Sprachverstehen bei hörgeschädigten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, Sprachübertragungsanlagen und
Raumakustik

Ärztliche Therapie

durch Pädaudiologen und Phoniater, Sozialpädiater, Kinder- und HNO-Ärzte

  • Differentialdiagnose
  • Beratung
    • Themenliste zur Elternberatung (in Berabeitung)
    • Tipps für Eltern (in Bearbeitung)
    • Empfehlungen für Erzieherinen, Lehrer und Eltern
  • Koordination
  • Therapieverschreibung


Hörtraining (Auditory Integration Training)

Hörtraining oder Klangtherapie sind eine Behandlungsform, bei der die Hörwahrnehmung durch technisch veränderte Musik und Sprache beeinflusst werden soll. Diese Therapie, die in den USA Auditory Integration Training (AIT) und in Frankreich Audio-Psycho-Phonologie genannt wird, beruht letztlich auf drei Techniken: der Hochtonfilterung, der Lateralisation von Musik und Sprache und der Sprach-Rückkopplung.

Bei der Hochtonfilterung hört das Kind Musik oder Sprache, bei der das Frequenzspektrum und die Lautstärke verändert werden.Lateralisation bedeutet, dass Musik oder Sprache in unterschiedlicher Geschwindigkeit von Ohr zu Ohr wandern.Das Sprachfeedback erfolgt zwischen der Aufnahme der kindlichen Sprache über ein Mikrofon und die Rückkopplung über Kopfhörer (Eine ausführliche Beschreibung findet sich bei Rosenkötter, Auditive Wahrnehmungsstörungen, S. 188 ff.).

Das Hörtraining ist keine Sprachtherapie und keine Therapie der Lese-Rechtschreibstörung, da Musik und Phoneme im Gehirn unterschiedlich verarbeitet werden (Morais, J; Periot, A.; Lidji, P; Kolinsky, R:  International Journal of Arts and Technology 3 (2010), 177 - 194) . Das Hörtraining kann aber Wahrnehmungsbereiche, die die Prosodie beeinflussen, verändern (Tonhöhenunterscheidung, Tonlängendifferenzierung, Rhythmus), die Lautstärkeempfindung regulieren (z.B. bei Menschen mit Hyperakusis) und die Fähigkeiten zur Störschall-Nutzschallfilterfähigkeit verbessern, manchmal auch die Lautdifferenzierung und die Beidohrigkeit. Gedächtnisleistungen werden hingegen nicht verbessert.

Eine sehr kritische Untersuchung der American Speech Language Hearing Association (ASHA) von Therapieverfahren, die Hörverarbeitung auf der Ebene von Tönen und Geräuschen und auf der sprachlichen Ebene verbessern sollen, hat keine statistisch gesicherten Ergebnisse gezeigt (Marc E. Fey, Gail J. Richard, Donna Geffner, Alan G. Kamhi, Larry Medwetsky, Diane Paul, Deborah Ross-Swain, Geraldine P. Wallach, Tobi Frymark, and Tracy Schooling (2011):  Language, Speech and Hearing Services in Schools, 42, 246-264; siehe Anhang). In diese Arbeit wurden fast 200 englischsprachige Veröffentlichungen der Jahre 1978-2008 einbezogen, die bestimmte Gütekriterien erfüllten. Dazu gehörten Therapieverfahren, die das Zuhören verbessern sollen, Auditory Integration Training nach Berard, FastForWord von Tallal und Merzenich, Earobics, Auditory Discrimination Training und Interventionen mit akustisch modifizierter Sprache. Weder bei Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten oder bei Kindern mit auditiver Wahrnehmungsstörung noch bei Kindern mit Sprachentwicklungsstörungen zeigten sich konstante, eindeutige und reproduzierbare Therapieeffekte.

 

Geräte finden sich z.B. bei Audiva